Wissenschaft

Aktuelle Meldungen

03.08.2018

Leben im Untergrund - für die Vielfalt der Bäume im Wald lebenswichtig

Tiere und Pilze fördern Leistungen von Wäldern


 

Leipzig, Halle. Eine neue Studie zeigt, dass neben der Vielfaltder Baumarten auch jene der Tier- und Pilzarten entscheidenden Einfluss hatauf die Leistungen von Wäldern. Zu diesen gehören unter anderemHolzproduktion, CO2-Speicherung und Klimaregulation. Die Studiebasiert auf zehn Jahren Forschung in artenreichen Wäldern derSubtropen. Ein Forscherteam unter Federführung des Deutschen Zentrumsfür integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und derMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat die Ergebnisse in derneuen Ausgabe der Zeitschrift Nature Communicationsveröffentlicht. Sie verdeutlichen, dass Biodiversitätganzheitlich betrachtet werden muss, um die Leistungsfähigkeit vonWäldern zu erhalten.


Weltweit besteht Sorge, dass ein durch den Menschen mitverursachterVerlust an Biodiversität das Funktionieren unserer Kultur- undNaturlandschaften beeinträchtigt. In Wäldern sind Bäume dieauffälligsten und bestandsbildenden Organismen. Die Folgenverringerter Baumartenvielfalt lassen sich daher vergleichsweise guterfassen. Wesentlich schwieriger wird es aber, wenn auch die Vielfalt dertausenden von teilweise winzigen Tier- und Mikroorganismenartenberücksichtigt werden soll, die als Pflanzenfresser,Schädlingskontrolleure oder Recyclingexperten wichtige Aufgaben inWäldern übernehmen. Auswirkungen eines Verlustes dieserArtenvielfalt waren daher bisher schwer quantifizierbar. Dies ist nun nachjahrelanger Arbeit einem Team deutscher, chinesischer, schweizerischer undamerikanischer Forscher erstmals für besonders artenreiche, naturnaheWälder in den Subtropen Chinas gelungen. Die Forschergruppe hat nichtnur die enorme Artenvielfalt von Käfern, Spinnen, Ameisen, Asseln undPilzen in diesen Wäldern erfasst, sondern gleichzeitig eine Vielzahlvon Prozessen, die für das Funktionieren der Wälder wesentlichsind. Dies beinhaltet zum Beispiel den Zuwachs an Holz, die Kontrolle vonBodenerosion, das Recycling von Nährstoffen, oder die biologischeKontrolle von potentiellen Schädlingen.

„Unsere Analysen zeigen, dass die Vielfalt an Tier- und Pilzartenauf zahlreiche wichtige Prozesse wirkt – zum Beispiel auf dieVerfügbarkeit von Nährstoffen für das Baumwachstum“,so Dr. Andreas Schuldt, Erstautor der Studie, vom Deutschen Zentrumfür integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und derMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Um zu verstehen,warum und wie sich ein Verlust von Biodiversität auf diese Wälderauswirkt, reicht es daher nicht, sich nur auf die Bäume und derenArtenvielfalt zu konzentrieren“. Auch der Artenreichtum vonPflanzenfressern und deren Gegenspielern war von Bedeutung, eine wichtigeErkenntnis im Hinblick auf zukünftig zu erwartende Intensivierungenund die mögliche Kontrolle von Schädlingsbefall mitfortschreitendem Klimawandel. Zudem fanden die Forscher, dass neben Tierenund Pilzen weniger die Zahl an Baumarten, sondern deren funktionelleEigenschaften und die daraus resultierende Zusammensetzung anunterschiedlichen Baumartentypen die Multifunktionalität derWaldbestände beeinflusst. „Unser bisheriges Wissen zuBeziehungen zwischen Multifunktionalität und Biodiversität stammtvor allem aus vergleichsweise artenarmen Wäldern Europas undNordamerikas“, sagt Prof. Helge Bruelheide, Sprecher derForschergruppe und Senior-Autor der Studie. „Wir können jetzterstmals zeigen, dass solche Beziehungen in den extrem artenreichenSubtropen und Tropen einer eigenen Dynamik folgen. Dies ist wichtig zuverstehen, weil gerade diese Wälder eine große Bedeutungfür globale Stoffkreisläufe und für uns Menschenhaben“.

Die Ergebnisse der Studie erlauben Ableitungen auch für dasManagement von Wäldern unter sich verändernden Umweltbedingungenund liefern daher wichtige Grundlagendaten. Ermöglicht wurden dieseEinsichten durch die langjährige Förderung derBiodiversitätsforschung und des Projektes durch die DeutscheForschungsgemeinschaft (DFG).

Original-Publikation:

Schuldt A, Assmann T, Brezzi M, Buscot F, Eichenberg D, Gutknecht J,Härdtle W, He JS, Klein AM, Kühn1 P Liu X, Ma KP, Niklaus PA,Pietsch KA, Purahong W, Scherer-Lorenzen M, Schmid B, Scholten T, Staab M,Tang ZY, Trogisch S, von Oheimb G, Wirth C, Wubet T, Zhu CD, Bruelheide H(2018) Biodiversity across trophic levels drives multifunctionality inhighly diverse forests. Nature Communications 9, Article number:2989 (2018). Open. Published: 31 July 2018.
DOI:10.1038/s41467-018-05421-z
https://www.nature.com/articles/s41467-018-05421-z

Die Studie wurde gefördert von der DeutschenForschungsgemeinschaft (DFG FOR 891/1-3), dem Chinesisch-Deutschen Zentrumfür Wissenschaftsförderung (GZ 524, 592, 698, 699, 785, und 1020)und der National Science Foundation of China (NSFC 30710103907 und 58430930005).