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01.02.2019

Hörverlust im Alter nicht harmlos - Mit einer Stellungnahme von Jean Pütz

Meine persönliche Stellungnahme:

Am Anfang meiner journalistischen Tätigkeit bei WDR habe ich eine Sendereihe zum Thema „Die Welt des Schalls“ als Autor, Moderator und Redakteur produziert. Unter dem Titel „Die Generation der ‚Tauben‘ sprach ich nicht diese intelligenten Vögel an, sondern den Hörverlust, der sich schon damals – 1973 – abzeichnete. Ursache dafür war, dass die Tonverstärker, die vordem noch mit Röhren und viel Strom-Energie gespeist wurden, auf Halbleiter umgestellt wurden. Die Entwicklung der Chip-Technologie, das heißt auf einem kleinem Silizium-Plättchen konnten tausende von Transistor-Funktionen untergebracht werden, begünstigte extrem diese Technologie. Schon damals war absehbar, dass der Mensch keine Grenzen kennt, wenn Technik es möglich macht. Das gilt besonders für die Tonverstärker und Verstärker-Boxen. Sie erst machten große Live-Konzerte der Popmusiker möglich. Schon in den 70er Jahren wurden diese zu Favoriten der Jugend, wobei die Lautstärke extreme Ausmaße annahm. Hinzu kam ein Phänomen, welches ich persönlich als „Disk-Jockey-Syndrom“ bezeichnen möchte, weil nicht nur Musiker, vor allen Dingen die Disk-Jockeys in den Clubs davon betroffen waren. Die extreme Lautstärke vermindert auch heute noch ihr Hörvermögen, denn der gesetzliche Schallschutz wurde weitgehend verdrängt.

Das menschliche Ohr, in seiner Kompliziertheit ein echtes Wunder der Natur, reagiert bei Lautstärken über 100 dB in einer Art Selbstschutz auf die Dauer mit hohem Hörverlust. Diesen gleichen die Disk-Jockeys da durchaus, dass sie trotz ihres geschädigten Hörempfinden die Lautstärke so einstellen, wie sie diese vor dem Hörverlust empfanden.  Das schaukelt sich mit der Zeit auf, die Leidtragenden sind die Konzert- oder Diskotheken-Besucher. So passiert es, dass immer mehr Jugendliche schon im frühen Alter Probleme mit dem Hören haben. Das verstärkt sich im hohen Alter fort, deshalb nannte ich diese Sendung „Die Generation der Tauben“. Leider hat sich nicht viel gebessert und das wird bei den nächsten Generationen nicht besser. Ich selbst habe aus dieser Erkenntnis schon sehr früh meine Lehren gezogen, so dass ich heute mit über 80 Jahren noch kein Hörgerät benötige. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich immer noch meine fünf Sinne zusammen habe.

Die Moral von der Geschicht: Vernunft kann gesund sein. Bitte lesen Sie den folgenden Artikel auch unter diesen Aspekt


pte20190130001 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie

Hörverlust wirkt sich auf die Kognition aus

Längsschnittstudie mit 10.107 Männern über 62 Jahren liefert Nachweis für erhöhtes Risiko


Ohr: Gehörverlust beeinflusst Kognition massiv (Foto: pixelio.de, sparkie)
Ohr: Gehörverlust beeinflusst Kognition massiv (Foto: pixelio.de, sparkie)

Boston (pte001/30.01.2019/06:00) - Ein Hörverlust steht mit einem erhöhten Risiko des Abbaus der kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang. Zu dem Schluss kommt eine Studie unter der Leitung des Brigham and Women's Hospital http://brighamandwomens.org . Ein Hörverlust könnte aber auch helfen, jene Personen zu identifizieren, bei denen ein höheres Risiko besteht, so die Forscher.

Fähigkeiten lassen nach

Zusätzlich erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse für ein früheres Eingreifen und eine bessere Prävention. Von einem Hörverlust sind mehrere zehn Mio. US-Amerikaner betroffen. Weltweit soll die Zahl der Betroffenen weiter steigen, da auch das Alter der Bevölkerung zunimmt. Die Forscher haben für ihre Erhebung acht Jahre lang eine Längsschnittstudie bei 10.107 Männern über 62 Jahren durchgeführt, die an der "Health Professionals Follow-up Study" http://sites.sph.harvard.edu/hpfs teilnahmen.

Beurteilt wurden die Ergebnisse bei der "Subjective Cognitive Function", basierend auf Antworten auf einem Fragebogen mit sechs Bereichen, der 2008, 2012 und 2016 beantwortet wurde. Ein Rückgang der subjektiven kognitiven Funktion wurde als neuer Bericht in zumindest einem Bereich definiert. Es zeigte sich, dass ein Hörverlust mit einem höheren Risiko einer subjektiven kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang steht.

Hörgeräte äußerst ratsam

Im Vergleich mit Männern ohne Hörverlust war das relative Risiko eines kognitiven Abbaus bei Teilnehmern mit einem leichten Hörverlust um 30 Prozent höher. Bei stärker betroffenen Männern war das Risiko um 42 Prozent höher. Bei einem schweren Hörverlust ohne den Einsatz von Hörgeräten erhöhte sich das Risiko auf 54 Prozent. Die Forscher haben auch untersucht, ob Hörgeräte einen Einfluss auf das Risiko haben.

Obwohl sich zeigte, dass bei Männern mit schwerem Hörverlust, die Hörgeräte nutzten, das Risiko bei 37 Prozent lag, konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zu Teilnehmern dieser Gruppe festgestellt werden, die keine Hörgeräte verwendeten. Eine genaue Erklärung dafür haben die Forscher derzeit nicht. Sie merken auch an, dass die Studie auf vorwiegend weiße ältere medizinische Fachkräfte beschränkt war. Weitere Untersuchungen mit größeren Patientengruppen seien daher sinnvoll. Zusätzlich beruhten die in "Alzheimer's & Dementia" veröffentlichten Ergebnisse auf den Angaben der Studienteilnehmer.